Darum schlafen wir bei Vollmond schlechter
Das Hormon namens Melatonin, das den Zyklus unseres Schlafs steuert, fungiert als natürliches Schlafmittel unseres Körpers, und seine Bildung hängt davon ab, wie viel Licht uns über die Netzhaut erreicht. Da vor dem Aufkommen des künstlichen Lichts der Mond die einzige natürliche Lichtquelle war, die unseren Schlafzyklus stimulieren konnte, drängt sich die Frage auf: Welche Wirkung hat – über Fernsehgeräte und Smartphones hinaus – der Vollmond auf den Schlaf des heutigen Menschen?
Das Thema untersuchten Forscher der University of Washington in Seattle, die unter Einbeziehung mehrerer hundert Freiwilliger eine Antwort darauf zu finden versuchten, ob die Veränderung des Mondzyklus den Schlaf des Menschen beeinflussen kann. Die Frage ist umso interessanter, als das mit der Industrialisierung veränderte Schlafmuster und die Schlafqualität bereits von zahlreichen Untersuchungen betrachtet wurden, von denen viele die Verantwortung des künstlichen Lichts (Straßenbeleuchtung, Wohnungsbeleuchtung oder eben Bildröhren, Monitore und Displays) formulierten und damit den Fokus von den natürlichen Lichtquellen abzogen.
Eine weitere Besonderheit der Untersuchung ist, dass die einbezogenen Freiwilligen nach ihrem Zugang zu künstlichem Licht in zwei Gruppen geteilt wurden: Während man in die eine Gruppe Teilnehmer aus den Mitgliedern einer der größten indigenen Gemeinschaften Argentiniens rekrutierte, kamen in die andere Gruppe ausnahmslos Stadtbewohner aus Seattle. Da ein Teil der argentinischen Ureinwohner auch heute noch ohne elektrischen Strom und damit ohne künstliche Lichtquellen lebt, waren die beiden Muster im Prinzip in der Lage zu zeigen, wie der Mondzyklus den Schlaf des industrialisierten beziehungsweise urbanisierten und des naturverbundenen Menschen beeinflusst.
Nach der Auswertung der Daten der am Handgelenk der Teilnehmer befestigten Aktivitätsmesser stellte die Untersuchung eindeutig fest, dass sich der Schlaf des Menschen dem Mondzyklus anpasst. In beiden Stichproben ließ sich nämlich feststellen, dass die Schlafdauer in den Tagen vor dem Vollmond abnimmt und sich mit den immer helleren Nächten auch der Zeitpunkt des Schlafbeginns nach hinten verschiebt. Zugleich tritt das Phänomen, die Amplitude des Mondphaseneffekts, in den Gemeinschaften ohne künstliche Lichtquellen deutlicher zutage, denn während der moderne Mensch mit den von ihm genutzten elektrischen Geräten den aktiv verbringbaren Teil des Abends verlängern konnte, erhalten die in dieser Hinsicht rückständigeren Völker dazu nur alle 29 Tage Hilfe von der Natur. Und diese – also die Helligkeit – nutzend jagen und fischen sie mehr oder pflegen eben ein aktiveres Gemeinschaftsleben.
