Der Matratzenbezug aus Holz ist da
Meist aus Eukalyptus, seltener aus Eiche oder Birke entsteht jenes Gewebe, das dank seiner besonderen Eigenschaften zu einem großen Liebling der Mode- und Textilindustrie geworden ist. Das aus Zellulose gefertigte Lyocellgewebe kann nämlich mehr Feuchtigkeit aufsaugen als Baumwolle, es ist weicher als Seide, wirkt kühler als Leinen und ist darüber hinaus auch noch umweltfreundlich.
Die Geschichte des Lyocells reicht bis in die siebziger Jahre zurück: 1972 wurde in den Vereinigten Staaten jenes Verfahren entwickelt, das die Umwandlung von Zellulosefasern in webbare Fäden ermöglichte. Das Lyocellgewebe erschien unter dem Markennamen Tencel zuerst auf dem amerikanischen und später, dank eines österreichischen Textilriesen, auch auf dem europäischen Markt. (Wenn wir als Analogie die Cola heranziehen, dann ist Lyocell im Allgemeinen wie Cola, Tencel hingegen wie das Rezept von Coca-Cola, also eines der Cola-Rezepte.) Wegen seiner Vielseitigkeit wurde die Textilindustrie schnell auf den Neuankömmling aufmerksam. Anfangs diente er als Grundmaterial für alltägliche Bekleidungsprodukte, Jeans, Hemden und T-Shirts, dann erschien Tencel mit der Erkenntnis der besonderen Eigenschaften des Materials auch bei Spezialbekleidung sowie bei Badezimmer- und Schlafzimmertextilien.
Elastisch, knitterarm und langlebig
Verglichen mit den aus petrochemischen Stoffen wie Polyester oder Nylon synthetisierten Kunstfasern, aber auch mit natürlicher Baumwolle oder Wolle, erwies sich Tencel als starkes, widerstandsfähiges Material, das der Bekleidungsindustrie Langlebigkeit, Abriebfestigkeit und über seine Elastizität jenen praktischen Vorteil bot, dass die daraus gefertigten Kleidungsstücke nicht oder nur schwer knittern.
Weicherer Fall, bequemeres Tragegefühl
Die aus Lyocellgewebe gefertigten Bekleidungsprodukte wurden auch von den Verbrauchern günstig aufgenommen, da sich das auch als Kunstseide bezeichnete Material als außerordentlich bequem erwies. Unter dem Mikroskop betrachtet ist zum Beispiel gut zu sehen, dass die Oberfläche der Tencel-Fasern völlig glatt ist, es gibt keine abstehenden, gebrochenen Teile, die kleine Abschürfungen, also Hautreizungen verursachen könnten.
Natürliche Feuchtigkeits- und Wärmeregulierung
Unter den einzigartigen Eigenschaften des Lyocellgewebes ist vielleicht die Feuchtigkeits- und Wärmeregulierungsfähigkeit die wichtigste. Die als Grundstoff dienende Zellulose ist absorbierend, das heißt, sie kann wie Löschpapier eine außerordentlich große Menge Feuchtigkeit in sich aufnehmen. Diese Eigenschaft hat auch Tencel geerbt, da die im Gewebe befindlichen submikroskopischen Kanäle die Feuchtigkeit aufsaugen, abtransportieren und dann verdunsten lassen können. Gerade deshalb wird Tencel auch als natürliche Klimaanlage der Haut bezeichnet, denn dank seiner Saugwirkung und seiner glatten Oberfläche wirkt es gegenüber anderen Materialien kühler. (Sein Wirkmechanismus besteht darin, dass es die Feuchtigkeit ableitet und dann verdunstet, wodurch sich die Haut automatisch abkühlt.)
Das Tüpfelchen auf dem i: natürliche antibakterielle Wirkung
Da die Feuchtigkeit im Tencel-Gewebe ins Innere der Fasern wandert, bildet sich auf der Oberfläche des Gewebes kein sogenannter Feuchtigkeitsfilm, sodass die eventuell anhaftenden Bakterien – mangels lebensspendender Feuchtigkeit – nicht wachsen und sich nicht vermehren können.
Massenproduktion ohne schädliche Umweltbelastung
Dank seiner einzigartigen Eigenschaften erschien das Lyocellgewebe über die herkömmliche Bekleidung hinaus auch in Sport- und dann in spezieller Militärbekleidung. Mit der Erkenntnis seiner hygienischen Bedeutung gelangte Tencel in Form von Bettwäsche, Laken, Matratzenbezügen und Matratzenschonern auch in unsere Schlafzimmer. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Mode- und Textilindustrie nimmt die Herstellung von Lyocellgewebe heute bereits bedeutende Ausmaße an. Dies geht jedoch nicht mit einer erheblichen Umweltbelastung einher! Lyocell ist nämlich ein biologisch abbaubares Produkt. Bei seiner Herstellung entstehen keine für die menschliche Gesundheit und den Planeten schädlichen Nebenprodukte. Seine Fertigungszeit ist ausgesprochen kurz, es benötigt gegenüber Kunstfasern weit weniger Wasser und Energie. Ein weiterer Vorteil gegenüber Baumwolle ist zum Beispiel, dass die als Grundstoff dienenden Bäume aus Gebieten stammen, in denen kein Nahrungsmittelanbau möglich ist, und dass ihr Anbau weder Bewässerung noch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und sonstigen Chemikalien erfordert.
