Wer ist Meister im Aufstehen ohne Wecker?
Jedes Lebewesen hat eine innere biologische Uhr, ein inneres Zeitmessgerät, an dem ausgerichtet sich die physiologischen und biochemischen Prozesse des Organismus mit regelmäßiger Wiederkehr wiederholen. Obwohl die Uhr selbst regelmäßig läuft, wird ihr Gang auch von Umweltreizen beeinflusst, deren stärkster Stimulus das Sonnenlicht ist.
In den Wintermonaten zum Beispiel, wenn wir im besten Fall nur höchstens 8 Stunden Sonnenschein erleben, werden wir infolge des geringeren Lichts schläfriger und dösiger. Im Gegensatz dazu fühlen wir uns im Sommer, wenn die Zahl der Sonnenstunden auch 16 betragen kann, wacher und aktiver, weshalb wir mit weniger Schlaf auskommen. Auf unsere zyklisch wiederkehrenden Schlafperioden wirkt sich also das Sonnenlicht aus, und das gilt ungefähr für alle Lebewesen, ebenso wie die Tatsache, dass bei einer plötzlichen Veränderung, also wenn der natürliche und gewohnte Rhythmus durcheinandergerät, im Organismus erhebliche Verwirrung entsteht.
Die beeinflussende Kraft des Lichts als Umweltfaktor ist riesig; um nur ein Beispiel zu nennen: Seine Bedeutung haben wir vor Jahrzehnten auch in der Tierzucht erkannt, sodass es vielleicht schon gar nicht mehr überrascht, dass wir unsere Nutztiere mit wissenschaftlich zusammengestellten Beleuchtungsprogrammen stimulieren. In der Geflügelbranche zum Beispiel regt eine Lichtflut von angemessener Intensität und Länge die Nahrungsaufnahme an, reguliert die Geschlechtsreife und maximiert die Eierproduktion.
Bevor wir jedoch das Geflügel als törichte, mit einfachen Lampen beeinflussbare Tiere betrachten, halten wir fest, dass selbst japanische Wissenschaftler den Hahn nicht überlisten können, genauer gesagt seinen zirkadianen Rhythmus. Forscher der Universität Nagoya suchten die Antwort auf die Frage, woher die Hähne wissen, wann sie krähen müssen, genauer gesagt wollten sie herausfinden, ob die Hähne durch Umwelteinflüsse oder durch ihre innere biologische Uhr zum Krähen veranlasst werden. Um dies zu beantworten, schloss man die untersuchten Tiere vom natürlichen Licht ab. Obwohl die Hähne so nach einiger Zeit keine Ahnung mehr haben konnten, ob es Tag oder Nacht war, krähten sie etwa zwei Wochen lang bei Tagesanbruch, also pünktlich. Damit wurde also bewiesen, dass sie auch ohne Umweltreize, allein auf ihre innere Uhr gestützt, zur gleichen Zeit rufen können.
